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Botschafter Jens Plötner im Interview mit Griechenland Aktuell

Botschafter Jens Plötner

Botschafter Jens Plötner, © Deutsche Botschaft Athen

25.01.2018 - Interview

Das deutschsprachige Magazin „Griechenland Aktuell“ des Ministeriums für Digitale Politik, Telekommunikation und Medien sprach im Interview mit Botschafter Jens Plötner!

Interview: Archelaos P.

Im Bezug auf das heutige Niveau der Deutsch-Griechischen Beziehungen in Politik und Wirtschaft sagte u.a. der Botschafter im Interview, dass die bilateralen Beziehungen eine lange Tradition haben. Es gab zwar in der Vergangenheit schmerzhafte Epochen, wie die der deutschen Besatzung Griechenlands während des Zweiten Weltkrieges. Heute, nach einigen Jahren der Wirtschafts- und Finanzkrise sind die Beziehungen zwischen beiden Ländern „in einem ruhigeren und besseren Fahrwasser“.

Der Bereich Kultur spielt eine besondere Rolle in den Beziehungen zwischen Deutschland und Griechenland. Es gab letztens die „documenta 14“, die gleichzeitig in Deutschland und Griechenland stattfand. Dazu kann man zahlreiche kleinere Projekte und Initiativen von Künstlern unterschiedlicher Disziplinen aus beiden Ländern zählen, aber auch die Aktivitäten des Goethe Instituts in Athen, des Deutschen Archäologischen Instituts, des DAAD u.v.m.. Der Botschafter Deutschlands äußert sein Bedauern, dass es im Zuge der Krise einen furchtbaren Austausch an Stereotypen zwischen Griechenland und Deutschland gegeben hat und findet es positiv, dass dies alles der Vergangenheit angehört.

Das Oberhaupt der deutschen diplomatischen Repräsentanz in Griechenland glaubt im Bezug auf die Zukunft der Deutsch-Griechischen Beziehungen dass, sie, nach der Wirtschafts- und Finanzkrise, reifer geworden sind. Eine zentrale Rolle spielt dabei nicht nur die europäische Geografie, sondern auch der geteilte Glauben an Menschenrechte, Demokratie und Pluralismus. Das Hauptanstreben beider Länder ist ein noch stärkeres Europa!!

Lesen Sie das ganze Interview:

Griechenland Aktuell: Auf welchem Niveau schätzen Sie die heutigen Deutsch-Griechischen Beziehungen in den Bereichen Politik und Wirtschaft?

Herr Botschafter: Die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern haben eine lange, bewegte Tradition! Von den ersten deutschen Philhellenen am Anfang des 19. Jahrhunderts bis zur engen Partnerschaft in der Europäischen Union und der NATO heute. Es gab besonders schmerzhafte Epochen, denken Sie v.a. an die furchtbare deutsche Besatzung Griechenlands während des 2. Weltkriegs. Aber danach gab es auch sehr positive Phasen, wie beispielsweise in der Zeit der Militärdiktatur, als viele Griechinnen und Griechen in Deutschland Zuflucht fanden.

Nach einigen schwierigen Jahren zur Hochzeit der Wirtschafts- und Finanzkrise sind unsere bilateralen Beziehungen heute wieder in einem ruhigeren und besseren Fahrwasser – darüber freue ich mich sehr!

Griechenland Aktuell: Welche Rolle spielt der Bereich Kultur in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern?

Herr Botschafter: Den Beitrag der Kultur kann man meines Erachtens gar nicht hoch genug bewerten. Dabei denke ich an sehr große, prominente Projekte wie die documenta 14, die letztes Jahr erstmals gleichberechtigt auch außerhalb Deutschlands stattfand – in Athen! Aber ich denke auch an die zahlreichen kleineren Projekte und Initiativen, die Künstler unterschiedlichster Disziplinen aus unseren beiden Ländern zusammenbringen, etwa im Rahmen der Brecht-Theatertage, der verschiedenen Musikfestivals auf den Inseln, des Chania Tanzfestivals, der Aktivitäten im Rahmen des Reformationsjubiläums und vieler mehr. Zu den Kulturbeziehungen im weiteren Sinn zähle ich aber auch die erfolgreichen Projekte im Rahmen des Jugendaustauschs zwischen unseren beiden Ländern und die Maßnahmen im Rahmen des Deutsch-Griechischen Zukunftsfonds, beispielsweise das breit angelegte Lehrkräftefortbildungsprojekt zum Thema Zusammenleben der Religionen in Griechenland. Und die zahlreichen Aktivitäten des Goethe-Instituts, des Deutschen Archäologischen Instituts, des DAAD, aber auch des Vereins Philadelphia, des ältesten deutsch-griechischen Kulturvereins überhaupt, habe ich hier noch gar nicht erwähnt.

Die menschlichen Kontakte, die bei solchen Begegnungen geknüpft werden, sind unglaublich wertvoll und vor allem nachhaltig, sie bilden ein Beziehungsnetz, das ständig dichter und stabiler wird. Die Kultur kann oftmals die Vertrauensgrundlage herstellen, auf der dann auch schwierige Themen zur Sprache kommen können.

Griechenland Aktuell: Hat die Wirtschaftkrise, Ihrer Meinung nach, Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen Deutschland und Griechenland? Wenn ja, in welchen Bereichen? Haben diese Auswirkungen eventuell Schäden zugefügt?

Herr Botschafter: Die Wirtschafts- und Finanzkrise war ja zunächst globaler Natur. Sie war die Folge der amerikanischen Immobilienkredit-Krise, die sich wie ein Lauffeuer weltweit verbreitet hat. Dann war die Krise europäischer Natur, weil die EU zu jener Zeit weder die Institutionen noch die Instrumente hatte, um mit einer solchen Situation umzugehen. Und schließlich wurde daraus eine innenpolitische Krise in manchen EU-Mitgliedsstaaten, darunter auch Griechenland, in denen diese Krisenkaskade strukturelle wirtschaftliche und finanzpolitische Schwächen offengelegt hat.

Es ist wirklich bedauerlich, dass im Zuge der Krise in der Öffentlichkeit all dies auf ein Problem zwischen Deutschland und Griechenland reduziert wurde. Der daraus folgende Austausch an Stereotypen auf beiden Seiten war furchtbar. Aber dies liegt heute hinter uns. Und ich treffe immer mehr Menschen, die sagen: an den zum Teil sehr schmerzlichen Reformen und Einschnitten haben wir einiges zu kritisieren, aber wir wissen es zu schätzen, dass unsere europäischen Partner uns nicht im Stich gelassen haben.

Griechenland Aktuell: Wie sehen Sie, Herr Botschafter, die Zukunft der Deutsch-Griechischen Zusammenarbeit im Rahmen der Europäischen Union, bzw. der Eurozone?

Herr Botschafter: Die Krise hatte, wie gesagt, schmerzhafte Auswirkungen auf unser bilaterales Verhältnis. Aber – in allem steckt ja auch immer etwas Gutes: Heute kennen wir uns, glaube ich, besser, unsere jeweiligen Stärken, unsere Schwächen. Unsere Beziehung ist in den letzten Jahren gereift, wir kommen aus dieser Krise mit dem Gefühl, dass wir – manche würden sagen: trotz allem – zusammengehören. Verbunden durch unsere europäische Geographie, aber vor allem auch unseren geteilten Glauben an Menschenrechte, Demokratie, Pluralismus. Das ist die sehr solide Grundlage für unser gemeinsames Bemühen um ein noch stärkeres Europa!

Griechenland Aktuell: Wie haben Ihre Familie und Sie sich persönlich in Griechenland eingelebt, was hat Ihnen bisher am besten gefallen?

Herr Botschafter: Meine Familie und ich haben uns sehr schnell eingelebt und fühlen uns sehr wohl in Griechenland. Das liegt an der Freundlichkeit und Offenheit der Menschen , aber auch der Schönheit der Natur, der Kultur. Wir lernen alle Griechisch –eine wie ich finde sehr schöne, aber nicht unbedingt einfache Sprache. Meine Kinder sind – ein schmerzhaftes Eingeständnis – gerade dabei mich zu überholen….

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